Aktienkultur und Politik

Die Deutsche Börse führt 2017 ein neues Marktsegment für kleine und mittlere Unternehmen ein. Das soll diesen helfen, sich zu finanzieren. Die Politik begrüßt diesen Schritt, hatte sie ihn doch schon seit Jahren gefordert. Das ist gut für die Aktienkultur in Deutschland, nur wird leider nichts unternommen, um die Aktienkultur auch durch bessere Rahmenbedingungen für Anleger zu fördern.
 

Hängt die Aktienkultur von der Politik ab? Nein, es ist an uns, heute eine neue Aktienkultur zu beginnen!

 
Am 21. Oktober 2014 hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf dem 8. IT-Gipfel in Hamburg ein neues Börsensegment für Start-ups gefordert, eine Börse 2.0 sozusagen. Trotz der negativen Erfahrungen mit dem „Neuen Markt“ wolle man sich von dem Projekt nicht abhalten lassen.  21.10.2014 – faz.net/

Gut zwei Jahre später gibt die Deutsche Börse am 21.11.2016 bekannt, am 1. März 2017 ein neues Börsensegment einzuführen, das den Zugang zu Investoren und Wachstumskapital für kleinere und mittlere Unternehmen verbessern soll. 21.11.2016 – deutsche-boerse.com

Update: 09.02.2017 boerse-frankfurt.de: Neues KMU-Segment wird Scale heißen

Aus Sicht von Unternehmern ist dieser Schritt eine gute Sache, erweitert er doch die Palette an Finanzierungsoptionen, die benötigt werden, um die Anforderungen die durch die Digitalisierung und Industrie 4.0 entstehen, zu erfüllen bzw. die Möglichkeiten, die diese bieten, zu nutzen.

Allerdings scheint die politische Initiative, deren Ergebnis das neue Börsensegment auch ist, auf halber Strecke liegengeblieben zu sein. Denn mit einem neuen Börsensegment erhöht sich zwar das Angebot an Aktien, jedoch bleibt die Nachfrage- also Investorenseite unverändert. Ohne auch diese Seite zu beeinflussen bleibt die angestrebte Verbesserung des Innovations- und Investitionsumfeldes Stückwerk. Der Nachfrage steht lediglich ein höheres Angebot gegenüber.

Mobilisieren ließe sich da einiges, verfügen die Deutschen doch über ein Geldvermögen von über fünf Billionen Euro, wovon zudem lediglich 6,5% direkt in Aktien bzw. 15% in Investmentfonds und Aktien direkt, investiert sind. Wer jedoch hier den Hebel ansetzt, landet nach dem Desaster mit dem „Neuen Markt“ ganz schnell beim Thema Aktienkultur. Und diese ist in Deutschland nach dem Platzen der Internetblase um die Jahrtausendwende ein Trauerspiel. (Eine sehr gute Zusammenfassung der ganzen Tragödie gibt es unter 22.11.2016 – wiwo.de). Daher ist es umso verwunderlicher, dass hier nichts getan wird.

Noch grotesker wird diese Untätigkeit vor dem Hintergrund, dass es in Deutschland aufgrund der Altersvorsorgelücke massiven Handlungsbedarf gibt. Selbst wenn es diese nicht gäbe, wäre es sinnvoll, die von ihrem latenten Sicherheitsbedürfnis bei der Geldanlage gesteuerten Deutschen wieder an die Geldanlage in Aktien heranzuführen. Dadurch ließe sich die Rendite ihres Gesamtvermögens erhöhen und die langfristige Sicherung des Wohlstandsniveaus verbessern.

Der Handlungsspielraum der Politik zur Förderung der Aktienkultur ist riesig. 02.02.2015 – capital.de

  • Man muss noch nicht mal so weit gehen, und einen steuerlichen Anreiz für die Anlage in Aktien fordern (wie es Kay Bommer macht in 11.2016 – manager-magazin.de). Es würde schon ausreichen, wenn die derzeitige doppelte Besteuerung von Unternehmensgewinnen abgeschafft würde:

Tatsächlich ist es so, dass Unternehmen ihre Gewinne versteuern. Diese Nachsteuergewinne kann das Unternehmen dann an seine Aktionäre als Dividenden ausschütten. Die Aktionäre bezahlen auf die erhaltenen Dividenden dann die Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag.

Durch eine Finanztransaktionssteuer würden die Kosten für die Anlage in Aktien noch erhöht, folglich wäre es schon ein positives Signal, wenn diese Diskussion beendet wird.

  • Ein weiteres Handlungsfeld stellen Regulierungsvorschriften dar. Aufgrund der wachsenden gesetzlich vorgeschriebenen Bürokratie wie Beratungsprotokoll und Produktinformationsblatt wird es immer zeitintensiver und somit unwirtschaftlicher für Anlageberater ihre Leistungen zu erbringen. Das ist schlecht für Aktien, da die Aufklärung der risikoscheuen Deutschen bezüglich dieser Anlageklasse zu einem großen Teil über Berater geleistet wird.
  • Auch was grundlegende Kenntnisse im Bereich Finanzen angeht, könnte die Politik die Schulbildung entsprechend beeinflussen.

Ich denke der Punkt ist klar, wer A sagt sollte auch B sagen, so dass die gute Entwicklung für Unternehmer nicht ins Leere läuft, wir in Deutschland aber auch nicht einen weiteren Reinfall der Privatanleger mit der Börse erleben.

Auch liegt die Schuld an der schlechten Aktienkultur weniger bei der Politik, als bei den Bürgern selbst. Schließlich sind wir alle mündig und jeder ist primär für sich selbst verantwortlich.

Und gerade aus dieser Verantwortung des Einzelnen heraus, ist es auch notwendig, dass mehr getan wird, um die Vorsorgelücke zu schließen. Dazu brauchen wir die Politik gar nicht. Wenn dann genug mitmachen, ergibt es sich ganz von allein, dass sich auch in Deutschland eine Aktienkultur etabliert und entwickelt, die sich positiv auf den Wohlstand der einzelnen und des Landes insgesamt auswirkt.

Ich möchte die Einführung des neuen Börsensegments bei der deutschen Börse dazu nutzen, auf dieser Website in Deutschland eine neue Aktienkultur zu beginnen!

Mein Beitrag dazu ist hier eine Art Landkarte für die Börsenwelt bereitzustellen, indem ich die Vielzahl der Quellen recherchiere, sortiere und nützliche Angebote zusammenzustelle.

Ich freue mich natürlich über Anregungen und Feedback!

Daniel Frei

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