Auf der Suche nach Finanzbildung in Deutschland

Hauptursache für die unterentwickelte Aktienkultur in Deutschland ist die mangelnde Finanzbildung der Deutschen. Diese hat dazu geführt, dass die Deutschen beim Platzen der Internetblase um die Jahrtausendwende mit dem Neuen Markt schlechte Börsenerfahrungen gemacht haben. Die Kombination dieser Erfahrung und das wenig ausgeprägte Finanzwissen sorgen dafür, dass die breite Masse der Bevölkerung Wertpapiere als Anlageinstrument meidet.

Leider wiegt der dadurch entstehende Wohlfahrtsverlust, vor dem Hintergrund der Versorgungslücke, auf die wir mit der gesetzlichen Rentenversicherung zusteuern, doppelt schwer.
 

Woher bekommt man in Deutschland Finanzbildung?

 
Grund genug, zu fragen, warum das durchschnittliche Finanzwissen in einem fortschrittlichen Land mit sehr gutem Zugang zu Bildung nicht höher ist. Grundsätzlich versteht man unter Bildung ja vor allem Schulbildung.

Ich war auf einem allgemeinbildenden Gymnasium, und das nächste, was es dort zum Thema Wirtschaft gab, war der Gemeinschaftskundeunterricht. Da habe ich gelernt, was das Grundgesetz und was Föderalismus ist, aber Finanzwissen, das hängen geblieben wäre – Fehlanzeige. Interessant auch, dass das genau zur Zeit des neuen Marktes war, also damals gerade brandaktuell…

Eine weitere Episode meiner Schulzeit die Geldanlage betreffend ist ITG. Leider weiß ich nicht mehr, wofür diese Abkürzung steht. Jedenfalls wurde das von unserem Mathelehrer unterrichtet. Inhalt war Programmieren in Turbo Pascal. Der Bezug zur Geldanlage ist, dass ein kleines Programm geschrieben wurde, mit dem der Endwert von in Bundesschatzbriefen angelegtem Geld berechnet wurde. Da ging es jedoch nicht darum Wissen für die Geldanlage zu vermitteln, sondern darum zu zeigen, warum Programmieren toll ist. Durch die Erinnerung an diesen Unterricht wird mir auch wieder klar, warum aus mir kein Informatiker geworden ist. Immerhin: es war ein verhältnismäßig anschauliches Beispiel für den Zinseszinseffekt bei der Arbeit.

Nicht zu vergessen ist das Planspiel Börse von der Sparkasse. Das war ein freiwilliger Wettbewerb über mehrere Wochen bei dem es darum ging mit Spielgeld in einem Musterdepot möglichst viel Geld an der Börse zu verdienen. Bei der Einführungsveranstaltung wurde die Börse oberflächlich vorgestellt und am Ende gab es eine Preisverleihung. An viel mehr erinnere ich mich leider nicht.

Das ist das, was ich aus meiner Schulzeit berichten kann. Möglichkeiten gab es, aber was Zwingendes war nicht dabei. Das war nicht befriedigend, und so entschied ich mich nach dem Abitur dazu, Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu studieren. Damit kann man sich in verschiedene Richtungen entwickeln, und man lernt den Umgang mit Geld. So meine Überlegung.
 

Muss man für gute Finanzbildung studieren?

 
Nein, sicher nicht. Denn in der Realität lernt man an der Uni vor allem theoretische Konzepte. Und diese über eine vielschichtige Breite von Fächern wie Mathematik, Statistik, Steuern, Recht, Makroökonomik, Mikroökonomik, Unternehmensrechnung und Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Ich habe mein Studium speziell auf Wertpapiere ausgerichtet und daher die Themen Finanzanalyse, Geld & Währung und Externe Unternehmensrechnung im Hauptstudium vertieft.

Dadurch habe ich mich dann unter anderem intensiv mit Portfoliomanagement, Derivaten, Bondmanagement, Jahresabschlusspolitik und -analyse sowie Geld- und Währungspolitik auseinandergesetzt. Wissen für die praktische Umsetzung bei der Geldanlage ist dabei jedoch kaum rumgekommen. Vielleicht ist das auch einfach nicht der Anspruch einer deutschen Universität. Erstaunlich finde ich auch, dass viele meiner Kommilitonen, obwohl sie einen Abschluss in BWL haben, Wertpapiere nicht für ihre private Altersvorsorge nutzen. Aus der Unizeit positiv hervorzuheben ist der akademische Börsenverein. Für alle, die mehr zum Thema Börse erfahren möchten, ist dieser eine gute Anlaufstelle.

Wer lernen will, wie man Geld anlegt, dem ist also weder mit der Schule noch mit der Uni geholfen. Vielleicht darf man sich nicht mit der Definition von Bildung als Schulbildung zufriedengeben. Bildung ist ja letztlich der gesamte Schatz an Wissen, Kenntnissen, Fähigkeiten und Erfahrungen, den ein Mensch bis zum betrachteten Zeitpunkt seines Lebens gesammelt hat.
 

Die Verantwortung der Eltern bei der Bildung

 
Bei Kindern wird dieser Schatz, bis zum Start der formellen Bildung mit Schulbeginn, im Wesentlichen durch das Elternhaus geprägt. Das unterstreicht die Bedeutung von Bildung im Allgemeinen und die von Finanzwissen im Besonderen. Denn wenn das Wissen im Elternhaus eingeschränkt ist, ist das keine gute Voraussetzung für den Aufbau des Wissensschatzes der Kinder. Und wenn dieser Wissensschatz nicht anderweitig umfassend erweitert wird, ergibt sich daraus ein generationenübergreifender Teufelskreis.

Bei uns Deutschen ist erstaunlich, für wie viele Menschen der Glaubenssatz gilt, dass es am wichtigsten ist, im eigenen Haus (oder der eigenen Wohnung) zu wohnen. Das gilt übrigens für Akademiker genauso wie für ungelernte Aushilfen. „Immobilien sind auch eine gute Altersvorsorge (das stimmt) und so bezahlt man die Miete in die eigene Tasche.“ Dass zur Finanzierung die Aufnahme eines Kredites notwendig ist, wird somit als selbstverständlich und unkritisch angesehen. Sogar von Ökonomen. Ich halte dem entgegen, was komplett ignoriert wird, dass durch diese Verschuldung der Zinseszinseffekt für ein paar Jahrzehnte (immerhin mit abnehmendem Gewicht) gegen einen arbeitet, anstatt dass man ihn für den eigenen Vermögensaufbau nutzt. Das Argument, dass eine Immobilie ja auch an Wert gewinnt, lasse ich dabei nicht gelten. Denn erstens ist das nicht garantiert, und zweitens, wer verkauft denn seine selbstgenutzte Immobilie, in der er über Jahrzehnte gewohnt hat, um den Wertzuwachs, den diese hatte, zu realisieren? Ich kenne niemanden.

Ich hatte das Glück von meinen Eltern mit einem großen Fundus an Wissen ausgestattet, in mein Erwachsenenleben starten zu können. Eine umfangreiche Finanzbildung gehörte zwar nicht dazu, wohl aber die Fähigkeit, mir Wissen selbst zu erarbeiten. Das ist es auch, was einem ein Uni-Abschluss bescheinigt. Dass man in der Lage ist, Wege zu finden, um komplexe Problemstellungen selbstständig zu lösen.

Und Wege zu Finanzbildung gibt es genug. Sei es durch Seminare, das Internet, Bücher oder Berater, die einem das Grundwissen zu Wertpapieren näherbringen können. Diese Seite ist mein Beitrag dazu. Nur nutzen muss die Bevölkerung diese Wege selbst. Daher ist es auch mein Anliegen, dass in Deutschland eine Bewegung für eine neue Aktienkultur entsteht, so dass die breite Masse und letztlich auch die Gesamtwohlfahrt profitiert. Sagt es also auch Euren Freunden, Familien und Nachbarn.

Mein Professor für Makroökonomie hat immer gesagt (bezogen auf einen volkswirtschaftlichen Zusammenhang): „Man kann die Pferde zum Wasser führen, saufen müssen sie selber.“ Ich finde, das passt für das Thema Finanzbildung ganz gut.

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