Bundestagswahl 2017 und Aktienkultur

Jetzt, da wieder überall die Wahlplakate für die am 24. September stattfindende Bundestagswahl hängen, ist es an der Zeit, sich mit den Wahlprogrammen der Parteien aus Sicht der Aktienkultur zu beschäftigen. Sicher ist die Aktienkultur nicht das entscheidende Thema für die Wahl, da gibt es Wichtigeres und Drängenderes. Dennoch betrachte ich es als Aufgabe dieser Seite, hier genauer hinzusehen, damit der interessierte Wähler schnell einen Überblick gewinnt.

Als Anstoß für diese Seite habe ich u.a. die Einführung eines neuen Börsensegments für kleine und mittlere Unternehmen durch die deutsche Börse angeführt (vgl. Beitrag Aktienkultur und Politik). Diese ist nicht zuletzt auch auf die politische Unterstützung durch den damaligen Wirtschaftsminister Gabriel zurückzuführen. Für die Unternehmen hat die Politik aus Sicht der Aktienkultur also bereits etwas getan. Bleibt die Frage, wie es mit den Bürgern aussieht.

Seit Anfang 2017, als diese Seite online ging, ist diesbezüglich nichts Wesentliches passiert. Klar, ich war ja zu dem Schluss gekommen, dass sich Aktienkultur nicht verordnen lässt, und der Bürger zunächst für sich selbst verantwortlich ist. Die Möglichkeit Wertpapiere zu kaufen hat jeder, heutzutage durch Onlinebanking sogar noch leichter, als jemals zuvor.
 

Die Rolle der Politik bei der Aktienkultur

 
Warum sollte die Politik also eine wichtige Rolle bei der Aktienkultur spielen? Muss sie nicht, aber vielleicht wäre es opportun. Denn zum einen ist die Politik ein mächtiges Vehikel um Änderungen im Verhalten der Bürger zu bewirken, siehe Rauchverbot, Dosenpfand und Ausbau erneuerbarer Energien. Zum anderen eignet sich das Thema durchaus für den Wahlkampf:

Dass wir mit der gesetzlichen, umlagefinanzierten Rente aufgrund der demografischen Entwicklung auf eine Versorgungslücke zusteuern, ist unbestritten. Daher wurde ja auch die Riester-Rente eingeführt. Ob dieser Versuch der Politik die private Altersvorsorge attraktiver zu machen ein Erfolg ist, darf bezweifelt werden. Das könnte an der Konstruktion, die bestimmte Summen garantiert, liegen. Böse Zungen behaupten die Gewinner der Riester-Rente sind vor allem die Anbieter der Verträge, also Versicherungen und Fondsgesellschaften. Zeit, für einen neuen Versuch.

Ich stelle die kühne These auf, dass die Rentenlücke geschlossen werden könnte, indem die private Altersvorsorge durch eine bessere Aktienkultur gestärkt wird. Laut Bundesbank betrug zum Ende des 1. Quartals 2017 das private Geldvermögen der Deutschen 5.675,5 Mrd. EUR. Davon waren gerade mal 22,6% in Wertpapiere investiert. Die genaue Aufteilung zeigt folgende Grafik.
 
privates Geldvermögen der Deutschen 2017

Quelle: Deutsche Bundesbank

 
Wie greifen die einzelnen Parteien dieses Thema für die Bundestagswahl auf? Praktischerweise hat das Deutsche Aktieninstitut (DAI) am 28.07.2017 ein Positionspapier veröffentlicht, in dem die Wahlprogramme der Parteien unter die Lupe genommen werden. Dieses ist recht umfangreich (66 Seiten), da es alle Bereiche, mit denen sich das DAI beschäftigt, beinhaltet. Trotzdem sehr lesenswert. Ich fasse hier die Aspekte private Altersvorsorge, Steuern und Finanzbildung zusammen, da diese wesentliche Stellschrauben sind, mit denen die Politik die Aktienkultur beeinflussen kann.
 
Bundestagswahl 2017 CDU_CSU und SPD zur Aktienkultur

Bundestagswahl 2017 die Grünen und FDP zur Aktienkultur

Bundestagswahl 2017 die Linke und AfD zur Aktienkultur

Finanzbildung

 
Die Linke erklärt in ihrem Wahlprogramm: „Die reichsten zehn Prozent [in Deutschland] besitzen weit mehr als die Hälfte des gesellschaftlichen Reichtums, die untere Hälfte der Bevölkerung besitzt gerade mal ein Prozent. […] Auf Gewinne aus Kapital und Aktien wird eine Billigsteuer erhoben…“

Mit diesen Aussagen hat sie vollkommen Recht. Wäre es da nicht erstrebenswert, dass auch die untere Hälfte der Bevölkerung von den Vorteilen von Wertpapieren profitiert? Die Linke könnte sich für die Aktienkultur stark machen in dem sie sich dafür einsetzt, die grundsätzliche Finanzbildung zu verbessern. Den Aspekt Finanzbildung berücksichtigt sie aber gar nicht in ihrem Wahlprogramm. Das macht keine Partei, obwohl die in Deutschland unterentwickelte Aktienkultur teilweise auf die mangelnde Finanzbildung der Deutschen zurückgeführt werden kann.

Ebenfalls von allen Parteien unerwähnt bleibt die Steuerdiskriminierung von Unternehmensgewinnen. Diese werden doppelt besteuert, sowohl auf Unternehmens- als auch auf Eigentümerebene. Will man wirklich etwas gegen Ungerechtigkeit aus Ungleichverteilung des Vermögens unternehmen, wäre es sinnvoll, auch an diesen beiden Stellen tätig zu werden.

Zum Abschluss noch eine Erkenntnis aus dem Wahlprogramm der SPD: „Mit der Frauenquote für Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst haben wir einen Kulturwandel in der Arbeitswelt eingeleitet.“

Warum also nicht auch einen Aktienkulturwandel durch Politik einleiten?
 

Weiterführende Links

 
Aktien in Deutschland fördern – Anregungen des Deutschen Aktieninstituts zur Bundestagswahl 2017.pdf (27.03.2017)

Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank auf onvista.de über Altersarmut (28.06.2017)

Mehr Fairness am Aktienmarkt fordert Robert Peres, Vorsitzender des Vorstands der Initiative Minderheitsaktionäre auf capital.de (17.08.2017)

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