Einflussfaktoren auf Aktienkurse: 3. Fazit

Fundamentalanalyse und technische Analyse sind zwei recht sinnvoll erscheinende Versuche, Kursbewegungen am Aktienmarkt zu erklären. Beide setzen jedoch voraus, dass die Akteure an der Börse rational handeln. Und da auch Börsianer Menschen sind, ist das, wie jeder aus seinem Alltag weiß, fernab der Wirklichkeit.

Menschen sind emotionsgetrieben, auch beim Aktienhandel. Und daher kann keiner der beiden Erklärungsansätze, auch wenn er noch so logisch nachvollziehbar ist, die Bewegungen der Aktienkurse 100%ig erklären. Aufgrund der emotionalen Impulsivität des Menschen ist es also unmöglich, Kursveränderungen rational zu erklären. Wenn das ginge, wären alle reich.
 

Schlussfolgerungen

 
Was bringt uns dann der Versuch, Börsenkurse zu erklären? Mehrere Erkenntnisse. Als erstes wäre da zu nennen, dass sie nicht erklärbar sind. Das wiederum stützt die These, wonach es nicht möglich ist, den Markt nachhaltig zu schlagen. Und diese ist ja das beste Argument für einen passiven Anlagestil, z. B. mit einem ETF-Sparplan. Unter Schnellstart Wertpapiere gibt es eine Anleitung, wie man einen solchen einrichtet.

Als zweites erhalten wir Hinweise darauf, welche Faktoren Einfluss auf die Entwicklung von Börsenkursen haben. Denn dass diese Faktoren die Kurse bewegen, ist unbestritten. Nur eben, wann welche Faktoren in welchem Ausmaß wirken, ist nicht klar. Für Anleger mit einem aktiven Anlagestil ist es letztlich die Aufgabe, sich auf Grundlage von allen möglichen Faktoren eine eigene Meinung zu bilden und diese in Investmententscheidungen umzusetzen.

Kurz zusammengefasst kann man aus den beiden Methoden zur Aktienanalyse für die Meinungsbildung folgendes mitnehmen:
 

Fundamentalanalyse

 
Bei der Fundamentalanalyse bestimmen zwei Faktoren den Aktienkurs.

1. der Gewinn
2. der Zinssatz

Daher ist es sinnvoll, die beiden im Auge zu behalten

1. Der Gewinn
Der Gewinn eines Unternehmens ergibt sich als Differenz aus dessen Ertrag und Aufwand. Zu höheren Gewinnen führen Entwicklungen, die den Ertrag steigern, wie eine größere Nachfrage (Verbraucherpreise, Absatzzahlen) oder Entwicklungen, die den Aufwand senken, wie geringere Beschaffungskosten (z. B. Löhne, Rohstoffpreise).

2. der Zinssatz
Der Zinssatz zur Diskontierung leitet sich aus dem in den Medien häufig zitierten Leitzinssatz ab. Dieser wird von den Zentralbanken festgelegt, welche wiederum die wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere die der Inflation¹, im Auge haben. Die Inflation selbst ist ein Wirtschaftsindikator. Es gibt viele weitere Indikatoren, die Veränderungen messen, welche die Wirtschaftsentwicklung und somit auch die Inflation beeinflussen.

Über die Beobachtung dieser Wirtschaftsindikatoren lassen sich Rückschlüsse auf die Veränderung der Unternehmensgewinne und der Zinssätze ziehen. Gemäß Fundamentalanalyse schlagen diese sich über kurz oder lang auch auf die Kurse an den Börsen nieder.

Es lohnt sich also diese Indikatoren zu beobachten. Unten bei den weiteren Quellen habe ich eine Linkliste zu den wichtigsten Wirtschaftsindikatoren für Deutschland zusammengestellt.
 

Technische Analyse

 
Mit technischer Analyse können Analysten rückblickend sehr gut erklären, warum es kam, wie es gekommen ist. Bei der Prognose künftiger Kurse liefert sie Anhaltspunkte, was dafürspricht, dass es nach oben geht, und was dafür, dass es nach unten geht. Wohin die Kurse gehen werden, ist freilich noch immer unsicher.

Der Nutzen der technischen Analyse für den langfristig orientierten Anleger ist, eine Indikation über die derzeitige Phase der langfristigen Marktentwicklung zu bekommen. Außerdem kann er, kurzfristig gesehen, seinen Einstiegszeitpunkt optimieren, indem er wichtige technische Marken nicht ignoriert. Der Artikel von der „ING-DiBa – Technische Analyse: Was uns Widerstände und Unterstützungen verraten“ gibt dazu Hinweise und erhellt zudem, warum technische Analyse funktionieren kann. Auch zum Risikomanagement kann die technische Analyse beitragen, indem Unterstützungen als Stop-loss genutzt werden.

Egal was man von der technischen Analyse hält, man darf nicht vernachlässigen, dass diese von vielen Leuten genutzt wird, wodurch sie zu einer Art sich selbst erfüllenden Erwartung wird. Aktuelle wichtige technische Marken wie Unterstützungen, Widerstände, Trendkanäle und Indikatoren finden sich in Analysen aus der Linkliste technische Analyse.
 

Behavioral Finance

 
Als drittes Ergebnis der Überlegungen zu den Kursschwankungen an der Börse und der Erkenntnis, dass diese mit den beiden vorgestellten Methoden nicht vollständig nachvollzogen werden können, bildet diese die Überleitung zum aktuellsten Versuch, die Entwicklung von Aktienkursen zu erklären:

Wenn nämlich das menschliche Verhalten die Kurse bestimmt, dann müsste sich durch das Studium der menschlichen Psychologie doch Hinweise bezüglich der Entwicklungen an der Börse gewinnen lassen. Diese Wissenschaft gibt es auch schon, sie heißt Behavioral Finance.

Diese arbeitet mit einem für die Wirtschaftswissenschaften neuen Ansatz, indem sie die zentrale Annahme des Homo oeconomicus, also des rational handelnden Menschen, fallen lässt. Es ist weniger damit zu rechnen, dass mit Hilfe der Forschung auf diesem Gebiet Börsenkurse prognostiziert werden können, jedoch kann das, was passiert, dadurch besser verstanden und erklärt werden.

Weitere Quellen

Behavioral Finance – Erklärung des Begriffs der Börse München

 

Ein ausführliches Nachschlagewerk zur Erklärung von Aktienkursen gibt es von der

Universität des Saarlandes

Dieses ist kostenlos und man muss den wissenschaftlichen Stil, in dem es verfasst ist, mögen. Dennoch ist es die umfassendste Quelle seiner Art.

 

Wirtschaftsindikatoren

Eine kostenlose Übersicht über sehr viele Wirtschaftsindikatoren von 196 Ländern gibt es bei Trading Economics
 
Neben den dort aufgeführten sind weitere wichtige Indikatoren:
DIW Konjunkturbarometer (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Berlin)

ifo Geschäftsklima (ifo Institut, München)

IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik, Frankfurt)

IMK Konjunkturindikator (Institut für Marktökonomie und Konjunkturforschung, Düsseldorf)

GfK-Konsumklima (GfK SE, Nürnberg)

ZEW Konjunkturerwartungen (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Mannheim)

Eine hilfreiche Sammlung bietet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). In den Medien wird regelmäßig über die Entwicklung der Kennzahlen berichtet. Wer lieber Zeitreihen vergleicht, für den hält der DIHK die Entwicklung der Konjunkturindikatoren in einer Excel-Datei nach und macht auch gleich Grafiken daraus. Selbiges gibt es auch in einer Excel-Datei für Konjunkturprognosen.

Umfassendes Kompendium, das eine Vielzahl von Indikatoren in eine Systematik einordnet und jeweils erläutert. Erklärt außerdem viele Volkswirtschaftliche Grundbegriffe. Helaba Handbuch: Wirtschaftsindikatoren unter der Lupe (pdf)


¹das alleinige Ziel der EZB ist die Inflation unter, jedoch nahe 2% zu halten.

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