Grundlagen Wertpapiere: 1. Aktien (1/3)

  • Was ist eine Aktie?
  • Wem gehört ein Unternehmen?
  • Was bringt es Aktionär zu sein?

 

Was ist eine Aktie?

 
Eine Aktie ist ein Besitzanteil an einem Unternehmen.

Ein Unternehmen gehört demjenigen, der das Eigenkapital zur Verfügung stellt. Im Fall einer Aktiengesellschaft (AG) wird das Eigenkapital in kleinen Paketen von vielen verschiedenen Eigentümern bereitgestellt. Dafür haben diese sogenannten Aktionäre das Recht, über bestimmte Entscheidungen des Unternehmens abzustimmen und die erwirtschafteten Gewinne stehen ihnen anteilig zu. Die Einheiten, in die das Eigenkapital aufgeteilt ist, heißen Aktien.

Man kann sich das wie beim Hausbau vorstellen. Petra und Paul bauen ein Haus, das sie vermieten wollen. Dafür brauchen sie 400.000 EUR Kapital. Zusammen stellen Petra und Paul das Eigenkapital in Höhe von 100.000 EUR bereit (jeder 50%, also 50.000 EUR). Das Haus gehört den beiden dann jeweils zur Hälfte. Man könnte sagen, jeder hat eine Aktie im Wert von 50.000 EUR und es gibt insgesamt zwei Aktien. Die fehlenden 300.000 EUR leihen sie sich bei einer Bank. Dieser Kredit ist das Fremdkapital. Folgende Grafik veranschaulicht diesen Vergleich.Finanzierung eines Mietshauses als Anlageobjekt mit zwei Aktien
Wenn das Haus fertig gebaut ist, wird es für 2.000 EUR im Monat vermietet, also 24.000 EUR im Jahr. Für das Abzahlen des Kredits und der Zinsen werden pro Jahr 18.000 EUR benötigt. Bleiben noch 6.000 EUR als Gewinn. Diesen teilen sich die Eigenkapitalgeber, also die Besitzer des Hauses. Petra und Paul stehen jeweils 50% des Gewinns zu. Jede Aktie verschafft dem Besitzer also den Anspruch auf 3.000 EUR. Bei Aktiengesellschaften heißen die an die Eigentümer verteilten Gewinne Dividenden.

50.000 EUR sind ein sehr großer Wert für eine Aktie. Petra und Paul können ihr Eigenkapital in der Theorie auch in 10.000 Aktien mit einem Wert von jeweils 10 EUR aufteilen. Dann würden jedem 5.000 Aktien gehören. Das ist praktischer, wenn man das Eigenkapital auf eine größere Zahl Personen aufteilen möchte. Entsprechend dem Beispiel hätte jeder Besitzer einer Aktie Anspruch auf 0,60 EUR des Jahresgewinns, also bei jeweils 5.000 Aktien ebenfalls jeweils 3.000 EUR.
Finanzierung eines Mietshauses als Anlageobjekt mit 10.000 AktienDas Eigenkapital des Fahrzeugherstellers Daimler zum Beispiel, ist in 1.069.837.447 Aktien ohne Nennwert eingeteilt. Ohne Nennwert bedeutet, dass die Aktien keinen tatsächlichen Wert haben. Bei unserem Haus wäre der Nennwert 50.000 EUR bzw. 10 EUR, je nach Aufteilung. Das Eigenkapital des Kosmetikherstellers Beiersdorf ist in 252.000.000 Stück ebenfalls ohne Nennwert eingeteilt.

Theoretisch sind die Aktien bzw. die Rechte, die sie gewähren, in Aktienurkunden aus Papier verbrieft. Man kennt das aus Filmen, in denen Koffer voller Papier zu sehen sind, oder die Aktien eingerahmt an der Wand hängen. Früher war das tatsächlich so, dass diese Papiere beim Besitzer zu Hause oder einer Verwahrstelle im Tresor lagen. Bei dieser Art der Verwahrung ist natürlich das Verlustrisiko groß und der Handel wird erheblich verlangsamt.

Heutzutage ist es möglich, dass es eine Globalaktie gibt, die festlegt, wie viele Aktien es gibt. Diese wird dann auch tatsächlich bei einer Verwahrstelle eingeschlossen. Der eigentliche Handel und die Deponierung der Anteile jedes einzelnen Aktionärs werden nur noch elektronisch abgewickelt. Das ist praktischer und spart Kosten.

Die Verteilung der Aktien auf die Besitzer wird Aktionärsstruktur genannt. Wenn nicht bekannt ist, wem die Aktien gehören (diese müssen sich melden, wenn sie bestimmte Anteilsschwellen erreichen), dann werden sie als Streubesitz oder Freefloat bezeichnet. Bei Daimler trifft das auf 90,1% (Private Investoren + Institutionelle Investoren), bei Beiersdorf auf etwa 39% der Aktien zu.

Daimler hat für das Jahr 2015 ein Konzernergebnis von 8,424 Milliarden Euro erzielt. Umgerechnet entspricht das einem Ergebnis je Aktie von 7,87 EUR. Daimler hat 2015 nicht den gesamten Gewinn ausgeschüttet, sondern mit 3,477 Milliarden EUR gut 41%, das ist die sogenannte Ausschüttungsquote. Der Rest wird für neue Werke, Vorräte und als Reserve für schlechte Zeiten verwendet. Das ist üblich.

Dies Zahlen führen zu einer Dividende von 3,25 EUR pro Aktie. Diese wurde für das Geschäftsjahr 2015 am 7. April 2016 an die Aktionäre ausgezahlt. Maßgeblich für den Erhalt der Dividende ist, dass man die Aktie am Tag der Hauptversammlung besitzt, die am 6. April 2016 stattfand. Somit war der letzte Tag, an dem man die Aktie kaufen konnte, um noch die Dividende für 2015 zu bekommen, der 5. April 2016. An diesem Tag betrug der Schlusskurs 63,10 EUR. D. h., wenn man an diesem Tag sein Geld in Daimler-Aktien angelegt hat, hat man eine Verzinsung von 5,15% erzielt!

Die Hauptversammlung fand übrigens in Berlin statt und es haben etwa 5.500 Leute daran teilgenommen. Diese verfügten dabei nur über 50,77% der Stimmrechte. Die restlichen Aktionäre sind wohl zu Hause geblieben. Im Jahr 2017 findet die Hauptversammlung von Daimler am 29. März wieder in Berlin statt.

Nachfolgend sind einige dieser Informationen und die Zahlen für Beiersdorf nochmal übersichtlich dargestellt. Diese Informationen bekommt man übgrigens auf den Internet-Seiten der Unternehmen unter Investor Relations. Dafür muss man kein Aktionär sein.

Anzahl Aktien Aktionärsstruktur Daimler

Anzahl Aktien Aktionärsstruktur Beiersdorf

 

 

 

 

 

 

 

Kennzahlenübersicht Daimler Beiersdorf

 

Zusammenfassung:

  • Als Aktionär ist man (Teil-)Eigentümer eines Unternehmens
  • Man hat Anspruch auf die Gewinne des Unternehmens (Dividenden) und das Recht über Entscheidungen abzustimmen.

 

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