Grundlagen Wertpapiere: 3. Investmentfonds

• Was sind Fonds?
• Was sind die Vor- und Nachteile von Fonds?
• Welche Arten von Fonds gibt es?


(das „s“ am Ende des Wortes Fonds wird nicht ausgesprochen, außer wenn man von Fonds in der Mehrzahl spricht.)

Ein Investmentfonds ist ein Finanzprodukt, bei dem viele Anleger ihr Geld in einen Topf geben (1). Im Gegenzug bekommen sie Anteile an diesem Topf, Fondsanteile. Mit diesem Topf werden durch den Fondsmanager einer Fondsgesellschaft verschiedene Wertpapiere gekauft. Bei einem Aktienfonds z. B. sind das Aktien von mehreren Unternehmen, die an der Börse gekauft werden (2). Auf diese Weise können Anleger bereits mit kleinen Summen „das Risiko streuen“, also anstatt nur von der Entwicklung einer Aktie abhängig zu sein, ihr Geld in mehreren Aktien anlegen (3). Folgende Grafik veranschaulicht das:
 

Funktionsweise eines Publikumsfonds

Funktionsweise eines Publikumsfonds Aktienfonds Investmentfonds
Fondsanteile sind Wertpapiere die von der Fondsgesellschaft zu sich täglich ändernden Preisen gekauft, bzw. an diese verkauft werden können. Der Fonds bzw. die Fondsgesellschaft ist ein sogenannter institutioneller Investor.
 

Vorteile von Fonds

 
Der große Vorteil von Fonds ist die Risikostreuung oder Diversifizierung: Nach diesem Prinzip investiert man sein Geld in viele Unternehmen. Man hofft, dass auf diese Weise die gute Entwicklung einiger Aktien, diejenigen mit schlechter Entwicklung ausgleicht, so dass am Ende eine gute Rendite herauskommt.

Möchte ein Anleger 1.000 EUR in Aktien investieren, ist eine Diversifizierung sehr teuer: Angenommen erkauft jeweils für 300 EUR Aktien von Allianz, Beiersdorf und Daimler, muss er dafür jeweils 5-10 EUR Ordergebühr bezahlen. Außerdem investiert er sein Geld dann nur in drei Unternehmen. Der optimale Diversifizierungseffekt tritt bei einer Zahl zwischen 20 und 30 Unternehmen ein.

Mit einem Fonds, z. B. dem bereits 1970 aufgelegten DWS Vermögensbildungsfonds I LD von der Fondsgesellschaft DWS, die zur Deutschen Bank gehört, könnte der Anleger seine 1.000 EUR in über 100 Unternehmen investieren. Der Fonds investiert weltweit in Aktien großer Unternehmen. Das Fondsvolumen beträgt derzeit etwa 7,480 Mrd. EUR, die der Fonds von Investoren eingesammelt hat. Die Unternehmen, in die mit am meisten Kapital investiert ist, die größten Positionen, sind: die Google-Mutter Alphabet Inc, der Pharmakonzern Roche, das Nahrungsmittelimperium Nestlé und der Elektronikriese Samsung. Im Jahresbericht 2015/2016 des DWS Vermögensbildungsfonds I LD ist ab S. 15 aufgelistet, in welche Unternehmen genau wieviel investiert ist. Am 20.02.2017 war der Ausgabepreis eines Anteils 155,97 EUR. Der Rücknahmepreis betrug 148,54.
 

Nachteile von Fonds

 
Das bringt uns auch zum Nachteil von Fonds: Den Gebühren. Bei Fonds ist es nämlich üblich, dass sie einen Ausgabeaufschlag verlangen, der Kosten für Vertrieb und Beratung decken soll. Bei Aktienfonds liegt dieser bei 3 bis 5%. Zudem fällt eine jährliche Verwaltungsgebühr von 1 bis 2% an, die für das Management und zur Erfüllung der Veröffentlichungspflichten verwendet wird. Hinzu kann noch eine erfolgsabhängige Leistungsprämie, die Performance-Gebühr, kommen. Beim DWS Vermögensbildungsfonds I LD beträgt der Ausgabeaufschlag 5% und die jährliche Verwaltungsgebühr 1,45%. Eine Performance-Gebühr gibt es nicht.

Den Ausgabeaufschlag kann man vermeiden, indem man Fondsanteile über die Börse oder bei einem unabhängigen Berater kauft. Auch Direktbanken haben oft Aktionen, bei denen der Ausgabeaufschlag entfällt. Die Verwaltungs- und Performancegebührenden lassen sich jedoch nicht vermeiden und müssen erstmal erwirtschaftet werden.

Andere in Deutschland große Fondsgesellschaften sind Deka (gehört zur Sparkassen-Finanzgruppe), Union Investment (gehört zur DZ-Bank Gruppe) und Allianz Global Investors, aber es gibt noch viele weitere. Eine Übersicht bietet der BVI Bundesverband Investment und Asset Management e.V.
 

Geschichte der Fonds

 
Die Idee Kapital zu Investitionszwecken zusammenzulegen, geht auf den niederländischen Kaufmann Abraham van Ketwich während der Kolonialzeit im Jahr 1774 zurück. Sein Fonds „Eendragt Maakt Magt“ (Einheit erzeugt Stärke) war angeblich in 2.000 Anteile aufgeteilt und investierte in ausländische Staatsanleihen und Kredite an Plantagen.

Im 19. Jahrhundert hat sich diese Idee in Europa verbreitet und erreichte Ende des Jahrhunderts auch die USA. Die bis dahin eingerichteten Fonds stellten alle geschlossene Fonds dar. So ähnlich wie beim Börsengang einer Aktiengesellschaft wird bei diesen zunächst festgelegt, wieviel Kapital eingesammelt werden soll. Dann wird dieses während einer Investitionsphase bei den Anlegern gesammelt. Wenn diese Phase abgeschlossen bzw. das angestrebte Kapital erreicht ist, wird der Fonds geschlossen. Die Höhe des Kapital ist damit fest und dieses wird dann investiert. Neue Anleger können nur Anteile bekommen, indem sie diese den Alteigentümern abkaufen.

In den USA wurde 1907 mit der Auflegung des Alexander Fonds ein Meilenstein für die Fondsbranche gesetzt, denn dieser war der erste offene Fonds, ein sogenannter Publikumsfonds. Halbjährlich wurden von diesem Fonds neue Anteile ausgegeben, und die Anleger konnten auch Geld aus dem Fonds abziehen. Die Höhe des Investitionskapital war durch diese Eigenschaft nicht mehr fixiert.

Dieses Konzept wurde durch den 1924 aufgelegten Massachusetts Investors Trust weiterentwickelt, was den nächsten Meilenstein darstellte. Auch bei diesem ist das Kapital variabel und Anleger konnten von nun an täglich Anteile erwerben oder zurückgeben. Der Fonds wird als der erste Publikumsfonds, wie wir ihn heute kennen, bezeichnet. Es gibt ihn heute übrigens immer noch und momentan verwaltet er 5,928 Mrd. USD. Wenn in den Medien Investmentfonds diskutiert werden, sind normalerweise Publikumsfonds gemeint.

Die nächste Neuerung bei Fonds wurde 1928 mit dem Wellington Fonds eingeführt, nämlich die Idee eines Mischfonds, der mit Aktien und Anleihen in verschiedene Asset-Klassen investierte. Zuvor beschränkten sich Fonds auf eine Asset-Klasse.
 

Welche Arten von Fonds gibt es?

 
Klassische Publikumsfonds gibt es als Aktienfonds, Rentenfonds (ein anderes Wort für Anleihenfonds) und Immobilienfonds sowie Mischfonds. Wie der Name jeweils schon sagt, investieren sie in die entsprechenden Vermögenswerte, also Aktien, Anleihen, Immobilien oder eine Mischung daraus. Zudem gibt es Geldmarktfonds, die in Bankguthaben, Tagesgeld und kurzfristige Termineinlagen (Festgelder) investieren. Die bringen zwar kaum Zinsen, sind dafür aber so gut wie risikolos und eignen sich daher als Ersatz zur Aufbewahrung von Geld, das ansonsten auf dem Sparbuch landet.

Ebenfalls auch als Publikumsfonds vermarktet werden Dachfonds. Das sind Fonds, die in andere Fonds investieren. So kann man quasi mit 1.000 EUR in 10 Fonds investieren, die wiederum jeweils in sagen wir 50 Aktien investieren. Damit erreicht man natürlich eine sehr feine Streuung, allerdings verlangen auch diese Fonds Gebühren. Und vom Dachfonds müssen die Gebühren bezahlt werden, die die Fonds, in die investiert wird, verlangen. Dachfonds sind daher besonders teuer.

Heutzutage gibt es auch noch geschlossene Fonds. Diese werden vor allem genutzt um Kapital für Großprojekte zu sammeln und daher auch Spezialfonds genannt. So gibt es Immobilienfonds, Filmfonds und Fonds, die in erneuerbare Energie oder Holz-Plantagen investieren. Die Mindestanlage in solchen Fonds beträgt zwischen 2.500 und 25.000 EUR. Sie sind nur für sehr erfahrene Anleger oder institutionelle Investoren geeignet.

Institutionelle Investoren und vermögende Privatinvestoren haben auch die Möglichkeit in Private Equity- und Hedgefonds zu investieren. Private Equity-Fonds beteiligen sich an Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind. Dazu zählen auch Venture Capital-Fonds, die über Beteiligungen Startkapital bei der Gründung von Start-ups oder kurz danach zur Verfügung stellen. Hedgefonds verfolgen unterschiedliche Strategien: Es gibt welche, die auf fallende Kurse wetten, oder sich an Unternehmen beteiligen, um das Management zu beeinflussen, und ihre Interessen durchzusetzen. Es gibt auch welche, die einfach nur in Aktien investieren, dabei aber nicht breit streuen sondern auf einige wenige setzen, was Publikumsfonds aufgrund von Gesetzen nicht dürfen. Diese laxere Regulierung ist die wesentliche Eigenschaft von Hedge-Fonds und macht diese zum Teil auch sehr riskant. Außerdem verlangen sie immense Gebühren von bis zu 30% der erwirtschafteten Gewinne.
 

Zusammenfassung

  • Bei Investmentfonds legen viele Anleger ihr Geld zusammen
  • Ein professioneller Geldverwalter kümmert sich darum es zu investieren
  • Dafür werden Gebühren verlangt
  • Man erhält jedoch auch eine Risikostreuung für das investierte Kapital, die zeitaufwendig und teuer für einen allein wäre
  • Das Prinzip von Fonds ist schon alt

 

Weitere Quellen

Aus dem Börsenlexikon von faz.net: Investmentfonds
drklein.de: Unterschied offene und geschlossene Fonds
 

Quelle: ariva.de

Quelle: explainity.com

Quelle: finanzfluss.de

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