Markteinschätzung vom 01.02.2019

Es liegen turbulente Wochen an den Finanzmärkten hinter uns. Mit dem Jahreswechsel ist es ohnehin mal wieder Zeit, einen genaueren Blick auf die Börse zu werfen.

Wie immer gilt, meine Perspektive ist langfristig und fundamental-analytisch ausgerichtet.
 
Mit Hilfe dieser Indikatoren lässt sich das Finanzmarktumfeld einordnen

Allgemeine wirtschaftliche Lage

Die Indikatoren für die allgemeine wirtschaftliche Lage (ifo Geschäftsklima, ZEW Konjunkturerwartungen, Industrieproduktion, etc. – für eine ausführlichere Liste vgl. Artikel Kurstreiber Fazit) zeigen im Querschnitt für Deutschland und Europa weiterhin das Bild einer soliden Entwicklung. Nach der Einpegelung auf hohen Niveaus haben die Indikatoren jüngst etwas nachgegeben. Dies ist sicherlich auch auf die momentanen Risikofaktoren zurückzuführen. Da sind die schwelenden Handelskonflikte zwischen den USA und China sowie der USA und der EU. Außerdem der bevorstehende Brexit und das Aufbegehren Italiens gegen die EU-Regularien zum Budget-Defizit. Hinzu kommen Krisen in Emerging markets, wie zuletzt der in Argentinien und der Türkei und aktuell gerade Venezuela. Weiterhin hoch sind auch die geopolitischen Risiken wie der Ausstieg der USA aus dem Atom-Abkommen mit dem Iran, der Krieg in Syrien und der Drahtseilakt zur Denuklearisierung Nordkoreas, sowie der INF-Vertrag zur atomaren Abrüstung zwischen den USA und Russland, um nur einige zu nennen.
 

Ölpreis

Zuletzt haben sich die Mitglieder der OPEC auf Kürzungen der Fördermengen geeinigt, um den Ölpreis (Brent) zu stützen. Das hat dann auch zu einem kurzen Ausflug des Ölpreises über 80 USD/BOE geführt, mittlerweile bewegen wir uns jedoch wieder im Bereich um 60 USD. Fallende Preise bei eingeschränktem Angebot, das zeugt doch von einer ziemlichen Skepsis der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung gegenüber. Für die Unternehmensgewinne wäre dies natürlich weniger schön, der Faktor Ölpreis direkt jedoch kann weiterhin als vorteilhaft angesehen werden.
 

Inflation

Die Inflation in Europa und den USA liegen im Schnitt weiterhin zwischen etwa 1% und 2%, was als Zielniveau angesehen wird (auch wenn der letzte Wert in Deutschland bei 2,66% lag). In den USA senden die Daten vom Arbeitsmarkt (die Quote ist niedrig und jetzt beginnen die durchschnittlichen Stundenlöhne zu steigen) ein Inflationssignal. Deflation ist zumindest kein Thema mehr. Für die Unternehmensgewinne ist die Inflationssituation weiterhin positiv.
 

Zinsen

Nachdem in den USA der Leitzins in einem Band zwischen 2,25% und 2,5% angekommen ist, und sich in der Wahrnehmung an den Finanzmärkten eine Abkühlung der Konjunktur andeutet, hat die FED zunächst eine Pause bei den Zinserhöhungen eingelegt. In Europa wurde das Anleihenankaufprogramm beendet, ansonsten ist an der expansiven Geldpolitik noch nichts verändert worden. Die für 2019 erwartete Leitzinserhöhung wird sich wohl verzögern. Es gilt also weiterhin ein Leitzins von 0%, was für die Unternehmensgewinne natürlich besser nicht sein könnte.
 

Wechselkurs

Im Wechselkurs von EUR und USD schlägt sich die Geldpolitik folgendermaßen nieder: Bis Anfang 2018 gingen die Investoren davon aus, dass die Zinsen in Europa relativ zu denen in den USA ansteigen würden. Der EUR wertete gegenüber dem USD entsprechend auf etwa 1,25 USD/EUR auf. Mittlerweile haben sich die Erwartungen jedoch entsprechend der letzten Entwicklungen bei den beiden Zentralbanken angepasst, so dass wir jetzt wieder bei einem Wechselkurs von etwa 1,15 USD/EUR stehen. Für die Unternehmensgewinne ist ein starker EUR eher schlecht, macht er doch europäische Waren für Ausländer teurer. Auf dem derzeitigen Niveau schätze ich ihn für die Gewinne als förderlich ein.

Insgesamt betrachtet, kann vonseiten der wirtschaftlichen Lage, des Ölpreises, der Inflation, des Zinsniveaus und des Wechselkurses das Umfeld für die Unternehmensgewinne in Deutschland als positiv angesehen werden, so dass hohe Aktienkurse durch schöne Gewinnaussichten gut unterstützt sind.
 

Zinsniveau

Der weiterhin niedrige Zinssatz von 0% als Quotient bei der Diskontierung betrachtet, rechtfertigt ebenfalls hohe Notierungen an den europäischen Aktienmärkten.
 

Bewertungsniveau

Wie hoch die Aktienkurse sind, kann man messen, indem man sie ins Verhältnis zu den Unternehmensgewinnen setzt. Ich mache das, indem ich den Jahresschlusskurs (für 2019 den vom 01.02.) des DAX-Kursindex durch die Dividendensumme des DAX (mit 10 multipliziert) des jeweiligen Jahres teile (für 2019 die Dividendensumme von 2018). Heraus kommt eine Kennzahl, mit der man das Niveau des Index zu verschiedenen Zeitpunkten vergleichen kann. Diese zeigt, dass der DAX sich mit 13,9 x derzeit auf einem Niveau knapp über dem Tiefpunkt von 12,0 x befindet.

Berwertungsniveau deutsche Aktien DAX 01.02.2019

Gold

Die Prüfgröße Gold, in ihrer Funktion als Krisenwährung ebenfalls ein Indikator für die Lage an den Finanzmärkten, kann zur Validierung der Markteinschätzung herangezogen werden.

Derzeit liegt der Goldpreis bei etwa 1.318 USD/Feinunze. Das ist rund 30 Dollar niedriger als vor einem Jahr und weiterhin als neutral zu sehen. Rekordstand war etwa 2011 1.880 USD/Feinunze.
 

Technische Analyse

Zur Abrundung der Betrachtung erfolgt noch ein kurzer Blick auf drei Indikatoren aus der technischen Analyse. Zur Einschätzung des kurz-, mittel- und langfristigen Trends des deutschen Aktienmarkts werden die drei gleitenden Durchschnitte über 20, 50 und 200 Tage des DAX-Performance-Index betrachtet. Das ist eine übliche Vorgehensweise und soll, wie ein Stimmungsbarometer, die durchschnittliche Einschätzung der Investoren widerspiegeln. Im Laufe des Jahres 2018 haben sich auf allen drei Zeitebenen Abwärtstrends ausgebildet, die zum Ende des Jahres in einen regelrechten Kursrutsch mündeten. Seit Anfang des Jahres 2019 hat sich die Stimmung wieder gedreht und k kurzfristiger befindet sich der DAX in einem Aufwärtstrend.
 

Zusammenfassung

Das aktuelle Niveau der Börsenkurse ist vor dem Hintergrund der betrachteten Indikatoren als eher niedrig anzusehen. Betrachtet man die Grafik mit den Ampeln, erkennt man, dass bei den fundamentalen Faktoren über die drei Betrachtungszeitpunkte die orangenen Lichter zunehmen, was den relativ niedrigen Indexstand rechtfertigen könnte. Am Vergleichsmaßstab gemessen ist gegenüber früheren Bewertungsniveaus keine Übertreibung zu erkennen, es liegt eher eine Unterbewertung vor. Zu bedenken gilt, dass die Börsenkurse oft die reale Entwicklung vorweg nehmen.

Sich eine Meinung zu bilden, wohin sich die Indikatoren entwickeln werden und zu folgern, was das für die Aktienkurse bedeutet, ist Aufgabe jedes einzelnen Marktteilnehmers.

Vorstehendes ist als Beispiel zu sehen, welche Größen man bei der Meinungsbildung über die Lage an den Finanzmärkten berücksichtigen könnte.

Wie immer gilt es zu beachten, dass es an den Börsen auch trotz sorgfältiger, nachvollziehbarer Überlegungen, anders kommen kann, als diese folgern lassen. Die Zukunft kennt keiner, eine Meinung begründet lediglich eine Erwartung, dass muss einem bewusst sein.
 

Link

Dieser Link ist nicht als Prognose gedacht, sondern aufgrund seiner Ausführungen zum Thema Bärenmarkt sehr interessant.

30.11.2018 faz.net – Der Dax ist auf dem Weg in die Baisse

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